Montag, 26. Mai 2008
Mein letzter Beitrag zum Thema " Wikis in Unternehmen" ist ja für die Verhältnisse dieses Blogs nahezu unglaublich viel kommentiert worden. Johannes hat mich daraufhin auf seine Blogparade aufmerksam gemacht, für die dieser Artikel gedacht ist. Des Weiteren hat er dort das Thema Wikis nochmals in drei Unterthemen aufgeteilt. Ob ich diese Aufteilung und die Bedingung, nach Möglichkeit nur einen dieser Themenkomplexe anzureissen, erfülle, wird sich erst im Laufe dieses Artikels herausstellen.
In diesem Artikel soll es hauptsächlich um das Thema "Motivation der Teilnahme an Wikis" gehen, da dies eines der zentralen Elemente für das Fortbestehen von Wikis ist. Hier stößt man gleichermaßen auf Probleme, die sogenannte "Web 2.0" Anwendungen generell haben (ich weiß, der Begriff ist etwas hölzern und könnte ewig diskutiert werden, wird aber gleichzeitig von genug Menschen in diesem Kontext verstanden). Ich habe das ganze jetzt mal in die Sparte "Theorie und Empirie" gepackt, die anderen passten noch weniger.
Die Motivation für die Teilnahme an einem Wiki teilt sich erstmal - wie jede Motivation - in extrinsische und intrinsische, also in von außen und von innen heraus resultierende Motivation. Bei der intrinsischen Motivation stößt man schon direkt auf eines der ersten Probleme. Warum sollte ich als Mitarbeiter mein wertvolles Wissen aus meinem Kopf in die Firma schleppen. Der findige Programmierer hat einen Grund: Faulheit. Er muss keine Fragen beantworten. RTFM bekommt hier eine völlig neue Bedeutung. Interessanterweise sollte genau dieser Grund auch der Grund für die Führungskräfte sein. Ein Wiki lässt die Aufbauorganisation, wie man sie aus dem Organigramm gewöhnt ist, in sich zusammenfallen. Das heisst, man benötigt weder einen Umweg über mehrere Instanzen noch eine festgelegte, statische fayolsche Brücke. Generell gilt zu sagen, dass ein Wiki ein bestimmtes Menschenbild verlangt, welches am ehesten mit dem in der Theorie Y wachsen und gedeihen kann. Denn hier kommt es jetzt zu einem großen Problem im Zusammenhang (nicht nur) mit Wikis. Die extrinsische Motivation. Soll man als Führungskraft Geld für jeden neu angelegten Wiki Artikel bezahlen? Abgesehen davon, das Geld schon lange nicht mehr als wirklich motivierender Faktor gilt, würde die Qualität darunter leiden - und hier ist man bei einem weiteren interessanten Aspekt von Wikis in Unternehmen: Wie definiert man Qualität? Damit hätten wir die Fragestellungen dieses Artikels: - Wie schafft man Anreizmechanismen, ein Wiki im Unternehmen aktuell zu halten? Der einfachste Anreizmechanismus wird ein Wiki sein, welches dem Neueinsteiger hilft, ein Großteil seiner Probleme zu lösen, so dass sich das Wiki zu einem Instrument mit Mehrwert entwickelt, in das man Informationen einfügt, damit dies anderen genau so viel Zeit spart wie der Person selbst. Man muss also "Gründe entwickeln", damit das Wiki regelmäßig besucht wird. Wie bei den meisten Web 2.0 Anwendungen, editiert nur ein kleiner Teil der Besucher das Wiki wirklich. Je mehr Besucher man aber hat, desto eher steigen die absoluten Zahlen, was für den Start eines Wikis extrem wichtig ist. Um Besucher anzulocken, könnte man also
- Firmenwichtige Nachrichten: Eine "Neuigkeiten" Seite, eine "Geburtstagsliste", Kontaktdaten, "About me" Seiten, die die Mitarbeiter mit Leben füllen
- Firmenunwichtige Nachrichten: Das nächste Sportevent, freie Wohnungen etc...
- Protokolle von Meetings, Zusammenfassungen, Konsens
- Mashups: Kalendar
- Customized Wikis: Für Entwickler: Syntaxhighlighting im Quellcode
- RSS Feeds für Änderungen, damit möglichst viele Teilnehmer bei Änderungen informiert sind.
Trotz alledem benötigt man vor allem eines: Einen Pusher, der die anderen antreibt, dieses System weiter zu nutzen und auszubauen, der auch mal aus reinem Enthusiasmus andere Mitarbeiter so lange nervt, bis diese ihren Wiki Eintrag beendet haben. Und der kosmetische Änderungen macht, damit das Wiki immer den selben schönen Auftritt hat. Ein mögliches monetäres Anreizsystem könnte allerdings eine Vergütung, die auf eine Gruppe verteilt ist, sein, denn dort soll das Wiki ja auch helfen, so könnte jeder die Nutzbarkeit des Wikis (inklusive seines eigenen Teilnehmens beurteilen).
- Wie definiert man die Qualität eines Wikis innerhalb eines Unternehmens? Hier spielen eine Menge unterschiedliche Faktoren eine Rolle, die sich in meinen Augen nicht quantifizieren lassen. Dennoch glaube ich, dass man einen Mitarbeiter in der Firma 10 Minuten lang durch das Firmenwiki surfen lassen kann, und er wird sofort wissen, ob das Wiki sinnvoll ist, oder nicht. Die Definition von Qualität wird für jeden Teilnehmer eines Wikis mit Sicherheit unterschiedlich sein. Der Spezialist wird nicht erwarten, dort substantiv neues zu seinem Gebiet zu finden, wenn er der einzige zu diesem Thema in der Firma ist, allerdings wird er erwarten, nicht im Urlaub angerufen zu werden, wenn er sämtliche Tips und Tricks in das Wiki geschrieben hat. Und genau hier liegt auch ein wichtiger Schritt. Niemand sollte die Qualität des Wikis als etwas wie eine DIN-Norm definieren "die Gesamtheit von Merkmalen einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen", da es sich eben nicht um etwas statisches wie Beton handelt, der ein Gewicht pro Kubikzentimeter auszuhalten hat.
- Kurz zusammengefasst: Was ist der größte Feind von Wikis im Unternehmen (bei falscher Anwendung, koexistieren können beide)?
- Intranet - Nicht editierbar, außer von einem administrativen Team
- Email - Ist ungeeignet als Informationsarchiv für Teams
- Dokumentenmanagemntsystem/Shares - Ist ein Datenfriedhof der vom strukturieren Verständnis der die Daten einstellenden Person abhängig ist. Und somit zu individuell. Gut zum Drucken, schlecht zum Kollaborieren.
Montag, 26. Mai 2008
Die aktuelle hier einkehrende Ruhe liegt primär an meinem Urlaub gerade. Da ich meinen Job zum Ende des Monats gekündigt habe, muss nun natürlich der Resturlaub her halten. Super Sache, so Resturlaub. - Aufgrund des "Abhörskandals" wissen wir nun wenigstens, dass der Staat nicht die erste Instanz ist, die die Daten der Vorratsdatenspeicherung in aller Seelenruhe auswertet.
- Wo wir gerade von Abhören sprachen: Roboter, der komplett vertikale Wände herauslaufen kann. Eignet sich super, um Raketen ins Ziel führen zu können, wenn so ein Teil an einem Hochhaus hängt, merkt das ja keiner... man kann natürlich auch die langweiligen Sache wie Abhören oder Spannen damit machen, aber wer will das schon.
- Wearable Motorcycle Design: Irgendwie packt ja niemand der Autohersteller das Problem an der Wurzel. Autos, die 4 Personen transportieren können, gehören dahin, wo sie 4 Personen transportieren. Dann könnte man sich auch von der mittelalterlichen Form verabschieden und sowas bauen...
- Aus der Kategorie "Symbolpolitik mit pawloschen Reflexen für ganz Arme" haben wir heute die Grünen in Thüringen. Das Logo der Brauerei Braugold beinhaltet die Zahlen 18 und 88 und ist somit schwer satanisch veranlagt oder so. Ich hätte jetzt behauptet, wenn gewisse Zahlen/Riten/Watauchimmer es in den Alltag aller Personen schaffen, dient es nicht mehr als Erkennungszeichen und ist somit unbrauchbar. Einer solchen Logik kann man sich als Grüner aber wahrscheinlich nicht anschließen. Besonders schön ist aber auch der letzte Satz im Statement der Grünen: "Wir empfehlen dies auch im Hinblick auf den möglichen Schaden, den Braugold mit dieser Biermarke nehmen könnte." - ja, welchen denn? Image? Finanziell? Ist ja eigentlich auch egal, hauptsache man hat was gesagt. Noch aussagekräftiger werden solche Sätze natürlich bei Verwendung des Konjunktiv. Als ob jemand nach dem ersten jemals gelesenen BWL Buch gleich mal einen schönen Schlusssatz schreiben wollte. [via TP]
- Ich hatte neulich schon drüber geschrieben, aber auf den Nachdenkseiten steht es nochmal etwas ausführlicher, welche intimen Daten die USA demnächst zur Terrorismusabwehr abrufen werden. Dinge, über die man nicht mal wusste, dass sie gespeichert werden...
- Die geleakten Dokumente der DB (die Echtheit wird wohl nie bestätigt oder dementiert werden) kennt man ja mittlerweile. Erschreckend finde ich hier primär die absolute Simplizität der Dokumente. Ein Diagramm mit "Ist" und "Soll" Balken und fünf Möglichkeiten. Beruhigend aber, dass die Klassifizierung vom BND übernommen worden ist. Know your roots.
- Don't be evil. Show your data. Google hilft in Indien, einen Orkut User ans Messer zu liefern, da er gegen die indische Meinungsfreiheit verstieß. Indien hat sowieso eine ganz gute Woche hinter sich. Die haben als einer der wenigen externen die Encryption Keys für den Blackberry, um die Kommunikation zu entschlüsseln. Es geht wahrscheinlich aber um die nationale Sicherheit, und nicht etwa um Wirtschaftsspionage. Glasklar.
- Die Bundesnetzagentur teilt mir, dass 141 VoIP Nummern abgehört wurden. Fällt Skype da auch drunter?
- Auch in Österreich herrschat wohl so langsam eine Angst vor freien Informationen vor, vor allem im Finanz- und Rechtssektor. Mein Parteibuch berichtet, wie Redaktions- und Privaträume ausgeräumt wurden. Sehr schön auch der erste Kommentar "Wer politisch etwas auf sich hält, muss mindestens eine Hausdurchsuchung hinter sich haben"..
- Mein Unwort des Jahres bis jetzt: "nicht vermittelbar"... Ach, wo wir gerade bei "nicht vermittelbar" sind. Jeder Leistungsträger sollte in dieser Gesellschaft auch zwei Stimmen bei den Wahlen haben, oder nicht?
Freitag, 23. Mai 2008
Jeder ist verdächtig, so lautet der Tenor von Heribert Prantl's aktuellem Buch. Der Terrorismus als Treiber für den Gesetzgeber, um Sicherheitsgesetze zu erlassen, ist an sich nichts neues. Die Möglichkeit, diese Gesetze zu erlassen, hat sich allerdings erst nach den Terroranschlägen (New York, London, Madrid) so richtig geboten. Das Buch bietet allerdings leider keinen guten Einstieg in das Thema, da es mehr an einen akademischen Aufsatz mit all seiner Wiederholung und Komplexität denn an ein verständliches Werk erinnert. Somit weiss ich nicht so wirklich, ob es überhaupt eine Existenzberechtigung hat. Die Interessierten kennen sich bereits mit dem Thema aus und bekommen alles nur "intellektuell aufbereitet" und die Neueinsteiger schreckt dieses Buch eher ab. Die Beispiele sind allerdings ganz gut gewählt (Asylbewerber, Frontex, Folter, Manipulation), um das Verschwinden des Rechtsstaates und die unterschiedliche Behandlungen von eigentlich gleichen Personen zu dokumentieren. Ergo gibt es nur eine bedingte Kaufempfehlung...
Montag, 19. Mai 2008
... so der Titel eines Artikels in der aktuellen Brand Eins mit dem Schwerpunkt Bildung (Ausgabe 05/2008). Der Artikel berichtet von einer Unternehmensberatung, in der es statt Hierarchien und Management nur vollständige Transparenz gibt. Auslöser war, dass die beiden Gründer dieser Firma festgestellt haben, dass ihre Arbeit weniger entlohnt wurde, als die beiden Leasingverträge der Geschäftsführerautos kosteten, obwohl die beiden die einzige Arbeit leisteten. Und da die beiden Gründer sich nie großartig in Hierarchien wohlgefühlt haben (dass das ernst gemeint ist erkennt man wohl daran, wenn man sich an beiden Enden der Hierarchien nicht wohl fühlt), sind alle Menschen in ihrer Firma gleichwertig. Jeder weiss über die Verdienste des anderen bescheid (auch die Sekretärin), einige verdienen mehr als die Geschäftsführer - aber wieso auch nicht, wenn man mehr arbeitet? Interessante wie einfach Konzepte prägen das Unternehmen. Keine festen Büros, keine Anwesenheitspflicht, Aufträge werden nur angenommen, wenn sie wirklich interessant erscheinen, starker akademisch Kontext, die meisten Mitarbeiter sind mit Miteigentümer. Genau das, was in der eigenen Firma gelebt wird, wird auch nach außen beraten. Aufbauen von Wissen, Verteilen von Wissen, Abbauen von Schranken. Schon allein wegen dieses Artikels lohnt sich diese Ausgabe absolut. Ich hoffe schwer, dass sich in der nächsten Dekade derartige Konzepte etwas weiter verbreiten.
Sonntag, 18. Mai 2008
... eine Firma, die sich lauthals über zu hohe Stundensätze von Externen beschwert und dieses auch unumwunden als Turbokapitalismus betitelt. Blöd nur an der Sache, wenn diese Firma eine Tochter eines in diesem Zusammenhang vor kurzem zu Berühmtheit gelangten finnischen Elektrogeräteherstellers ist. Es liegt halt im Auge des Betrachters. Also, wer diese exorbitanten Summen zahlen muss...
Sonntag, 18. Mai 2008
- Das Debian SSL Disaster ist ja schon zur Genüge besprochen worden. Interessant ist primär diese Hilfe oder hier, und witzig ist natürlich immer die Suche nach dem Schuldigen. Ohne geht es ja heutzutage nicht. Resultiert dann in witzigen blog Posts..
- PR Disaster für Fortgeschrittene. Diese deutsche Bank Werbung. Ich dachte, als ich dass das erste Mal gesehen habe, dass das ein Fake ist, aber wenn ATTAC dafür eine eigene Webseite einrichtet..
- "Im Herzen denken viele wie die radikalen Linken" - diese Überschrift aus einem Interview hat sich bei mir durchaus eingebrannt. Wie beweist man so etwas? Muss man das überhaupt?
- Respekt für diesen Schritt. Sich mit nicht einmal 26 aus dem Profisport sofortig zurückzuziehen, um das letzte Jahrzehnt nachzuholen, zeugt von einer gesunden Selbsteinschätzung, die nicht dem reinen Erfolgsdruck ausgeliefert ist. Ich hoffe, dass Justine Henin auch dabei bleibt und es nicht mit einem Comeback versucht.
- Netter Artikel in der Süddeutschen zum Thema "Hansen als Werkzeug". Der letzte Satz fasst den Artikel super zusammen...
- Discounter und ihre Methoden. Ein etwa 30 Minuten langer Film, der zeigt wie Lidl, Aldi, Schlecker und Netto mit ihren Mitarbeitern umgehen...
- Die EuSecWest Konferenz scheint ja ein wahrer Rootkitreigen zu werden. Neue Rootkits für x86 Plattformen sowie den ersten Rootkit für IOS könnten dieses ganzen Virenscanner/Rootkit-Detektoren Software mal wieder ziemlich alt aussehen lassen.
- Jede Woche liest man von einer Studie oder einem Bericht oder hört von einem "Experten", dass die Kluft zwischen arm und reich immer größer wird. Ich glaube, hier ist es wie mit allen News. Je öfter sie kommen, desto abgestumpfter werden die meisten Menschen die Nachrichten gegenüber. Irgendwann interessiert es dann genau so wenig, wie der 500.000 tote Zivilist im Irak.
- Wow. Bei der Abstimmung über den EU Reformvertrag (der den andere Staaten boykottieren über eine Volksabstimmung oder der in Irland durchgedrückt werden soll, in dem Deadlines und Abstimmungen schnell geändert werden, damit Gegenstimmen nicht aufkommen können) lag das gesamte Werk in Deutschland wohl gar nicht vor... Aber abstimmen kann man ja trotzdem.
- Entwicklungshilfe ist einfach nur ein anderes Wort für Umverteilung von Spenden an die Industrie über den Umweg der dritten Welt zur Gewissensberuhigung...
- Java Tages Spezial: Bug Finder und Source Code Checker sowie die JSF Komponenten Sammlung Woodstock
Samstag, 17. Mai 2008
Aufgrund meiner zahlreichen Buchkritiken habe ich gerade mal wieder kurz nach den AGBs beim affiliate Programm von amazon geschaut. Die AGBs sind leider so gestaltet, dass man ein Logo von Amazon einbinden soll. Da ich dieses Weblog allerdings nicht in eine Litfaßsäule verwandeln will, hat sich die Sache damit erledigt. Daher nun meine Frage: Kennt jemand einen Buchverkäufer der schon froh ist, Mehrumsatz auf seiner Seite zu haben, ohne irgendwelche unnützen Bilder? Alles was ich haben will, sind Links mit meiner ID drin. So, nun aber (fast) genug Kapitalismus fürs Wochenende.
Freitag, 16. Mai 2008
Gerhard Wisnewski bringt mit Verheimlicht - vertuscht - vergessen: Was 2007 nicht in der Zeitung stand ein sehr interessantes Buch heraus. Es durchleuchtet diejenigen Artikel, die von der Presse meistens nur noch weitergereicht und durchgewunken werden, ohne dass man auf den Inhalt eingeht, wie etwa wenn Angela Merkel vom Aufschwung spricht, auch wenn der geistig zurückgebliebene Bürger ihn nicht bemerkt. Das Buch liefert einen schnellen Jahresrückblick und leistet sich damit gleichzeitig seien größte Schwäche. Durch die Menge der Themen in dem sehr kleinen Taschenbuch wird jedes Thema lediglich sehr oberflächlich angekratzt, und nicht wirklich tief durchleuchtet - es bleibt also dem Leser überlassen, sich weiter zu informieren. Ansonsten aber ein nettes Buch für zwischendurch und mit 6,00 EUR mehr als bezahlbar.
Donnerstag, 15. Mai 2008
- Für die Filmfans: Leading to War - ein Film, der lediglich Kommentare und Interviews der amerikanischen Kriegstreiber (unter ihnen die Fab Four bestehend aus Bush, Rice, Wolfowitz und Cheney) aneinanderreiht, und aufzeigt, wie es zum Krieg mit der "Achse des Bösen" kommen konnte. Der Film zeigt, wie die Führung Aussagen von Menschen aus den Nachbarländern ignorieren und verdrehen, um zu argumentieren, dass dieser Krieg bzw der "War on Terror" einfach eine Notwendigkeit darstellt. Den Film gibt es mit deutschen Untertiteln (und noch 16 anderen) und in englischer Sprache zum Download, oder alternativ als 10$ DVD zum Kaufen [via Niggemeier]
- Traurigkeit der Woche: Die CSU geht mal wieder mit unglaublichen Plattitüden auf Wählerfang. Wobei es nicht nur die CSU ist, sondern mal wieder eine große Stiftung mit Konzernnähe aus der Gütersloher Provinz seine Finger im Spiel hat, in Form des IZA. Die Spiegelfechter beschreibt sehr schön, dass es bei dem Modell nicht um Zwangsarbeit sondern um eine weitere Kastration des Mindestlohnes geht. Interessant ist aber auch die Theorie, das Herr Glos eigentlich eher ein Testballon ist. Wenn die Sache schiefgeht, wird an Glos Stuhl gesägt, das IZA ist weiterhin das Expertengremium, welches nur eine Meinung verkündet, aber keine Maßnahmen ergreift. Und dafür wird man ja gehängt.
- Interessante Theorie für Firmen zwischendurch: Referenzmodelle. Einige Firmen sind ja derart professionell und haben eine komplette Kundenkartei in Form einer Referenzliste auf Homepage. Ist an sich eine Supersache, denn als Konkurrenz weiss ich dann sofort, wen ich als erstes anschreibe, wenn ich weiß, dass mein Produkt besser ist. Viel sinnvoller wären da gezielte Ansprachen (nach einer Anfrage eines potenziellen Kunden), die auch auf die Größe des Unternehmens zugeschnitten sind (Mitarbeitergröße, Umsatz oder Branche als Kenngröße).
- Einfach wie genial: Wenn ich mein Handy auflade, warum nicht einfach ein Backup machen? Eignet sich auch Super als Werbegeschenk zur Industriespionage...
- Die beruhigenden News für zwischendurch: Beim Bau von Atomkraftwerfen ist minderwertiger, weniger haltbarer Beton verwandt worden. Kein Grund zur Beunruhigung...
- Hätten Sie's gewußt? IKEA ist eine gemeinnützige Stiftung. Daher auch das ruhige Gewissen, wenn man da einkauft
- Satellitenbilder von vor und nach dem Zyklon in Burma - sieht für den Laien so aus, als wäre humanitäre Hilfe da mehr als angebracht. Hat das Land eigentlich Bodenschätze, die es lohnen, es zu "befreien"?
- Knüller der Woche: Sächsischer Minister meint, sich auf der Autobahn als Sheriff aufspielen zu müssen. Ein weiterer Beweis dafür, wie realitätsfern und kastennah einige Menschen inzwischen denken..
- Staaten und Datenleaks. Die Staaten, die es noch nicht erwischt hat, haben wahrscheinlich lediglich eine so schwache Infrastruktur, dass sich der Datendiebstahl aus quantitativer Sicht nicht nocht lohnt. Diesmal hat es Chile mit 6 Millionen Datensätzen getroffen.
- Coole Möbel: Ein Würfel mit 23 Schubladen - und, so wie ich das sehe, mit optimaler Platzausnutzung...
- Lesestoff: Der neue Grundrechte Report 2008 ist draußen
- Neue Taktik, um ein Softwareprojekt dem Tod zu weihen? Mozilla posaunt rum, dass sie die Daten ihrer Nutzer in die große weite Welt blasen wollen. Es wäre ja auch zu schade, wenn nur Microsoft ein derartiges Alleinstellungsmerkmal hätte.
- Interessanter Vortrag für zwischendurch: Unobtrusive JavaScript with JQuery
- Noch was technisches: Das neue deutsche Groovy und Grails Wiki
- Der Java Artikel: Vorschau auf Glassfish V3
Dienstag, 13. Mai 2008
Irgendwie habe ich momentan nicht zu viel Glück bei meiner Bücherauswahl. Nach Charlie Wilson's War nun ein weiteres in allen Bereichen hochgelobtes Buch, welches ich nicht im geringsten als interessant empfunden habe. Das "Deutschland-Quiz: Alles, was Sie über dieses Land wissen sollten und nie zu fragen wagten" von Eric Hansen ist eine kleine Sammlung von angeblich interessanten Fragen über die Deutschen, die total kreativ beantwortet werden. Fragen wie "gibt es ein Nazi-Gen" werden nicht wirklich dadurch interessanter, dass man einen Mediziner fragt. Auch die so gelobte Lustigkeit (vor allem in den Amazon Rezensionen) muss mir beim Lesen irgendwie abhanden gekommen sein. Und Themen wie "wird Deutschland islamischer oder der Islam deutscher" sind Fragestellungen, die irgendwie schon im Keim der Fragestellung ersticken. Fazit: Keine Kaufempfehlung, lieber 3 Bier in der Kneipe, sogar die brennen sich nachhaltiger ins Hirn ein.
Donnerstag, 8. Mai 2008
Wochenende, Chillout, Zeit für die Linksammlung. - Haltet die Schnauze und rennt: Besser kann man diesen Zeit Artikel wohl kaum betiteln. Es ist beschämend, andere Menschen derart zu bevormunden, wie es das IOC Kommittee tut. "Freie Meinungsäußerung finden wir super, aber bitte nur in Planquadrat C3". Außerdem wird das "Auftreten und Verhalten der Athleten sowie deren äußeres Erscheinungsbild" überprüft. Man muss ja auch schauen, ob die Leute rasiert sind, sonst ist der Beck unglücklich. Dann klappts auch mit dem olympischen Sieg. So gerne ich mir Basketball anschauen, und ich bin froh über jede Minute auf nicht verschlüsselten Kanälen, so langsam sollte man über einen Boykott aufgrund der menschenfeindlichen IOC-Führung nachdenken.
- Das Telepolis Special (wo ist der Spendenbutton bei guten Artikeln?): Aufschlussreich ist anscheinend die Methode, anhand des Abwassers einer Stadt auf den Drogenkonsum zu schließen. Könnte das mal jemand in Berlin machen, in bestimmten Vierteln? Ich will ja wissen, in was die Diäten... ach, egal. Außerdem gibt es noch einen netten Artikel über die Verteufelung des neuen GTA Teils (diese 20x20m Plakete am Sendlinger Tor in München zum Beispiel sind aber auch schon gut auffällig).
- Noch ein netter TP-Artikel zum Thema Selbstbedienungsladen BRD: Die Diäten Erhöhung. Ich sehe es fraglos ein, dass diese Menschen ein Recht auf eine überdurchschnittliche Bezahlung haben, wenn das mehrere Dinge sicherstellen würde. Fraglos extrem wichtig ist an dieser Stelle die Unbestechlichkeit. Genauso wichtig aber ist die Verhältnismäßigkeit. In diesem Zusammenhang ist die Gehaltserhöhung ja an den jüngst erreichten Tarifabschluss im öffentlichen Dienst gekoppelt, der ja mit einer Arbeitszeiterhöhung einher geht - welche es bei Abgeordneten aber nicht gibt - sie bekommen also mehr Geld, ohne in der Pflicht zu stehen, die Arbeitszeit nachweisen zu müssen. Dies ist aber nur der kleine Punkt der Verhältnismäßigkeit, die ich meine. Viel schockierender ist es, dass eine Erhöhung der Renten um 1,1% als Erfolg eines absolut zähen Ringens gehandelt wird, während ein Abgeordneter sich sein eigenes Gehalt ohne jedwede Verhandlungsbasis weit jenseits der Inflation erhöht. Hier greift dann die Wut der Benachteiligten. In diesem Zusammenhang sollte man auch noch auf die "Aktion notleidende Bundestagsabgeordnete" hinweisen.
- Aus der Kategorie "How to destroy our fanbase": Videos aus unteren Fußballligen dürfen nicht mehr auf der Portalseite Hartplatzhelden eingestellt werden. Lieber württembergische Fußballverband, ihr habt es geschafft. Ich hoffe ja, dass euch die ganzen enthusiastischen Kinder weglaufen, die gerade mit dem Internet groß werden, und sich dann irgendwann überhaupt nicht mehr für eure rechtlich ja völlig abgesicherte Randgruppensportart interessieren. Bis dahin wird es noch ein wenig dauern, aber ich habe da viel Zeit. Und ihr noch ein paar wenige Saisons vor euch. Genießt sie mit dem Lokalreporter, der seine veraltete Spiegelreflexkamera bei den wirklich guten Szenen lieber gegen eine Kippe in der Hand tauscht und nachher einen Zweizeiler in die nicht mehr gelesene Lokalzeitung packt, anstatt dass die Kinder ihre gesamte Saison in einem Video remixen.
- Die Logik der Börse ist ja mein absolutes Lieblingsthema, ich hatte das vor einiger Zeit schonmal hier diskutiert und als Kaffeesatzleserei verballhornt. Da hatte ich allerdings noch nicht das Brand Eins Special zum Thema Tempo gelesen, in dem steht, dass die meisten der Aktionen an der Börse inzwischen eh nur noch im Millisekundenbereich liegen, um Mikromengen an Geld innerhalb komplett autarker elektronischer Systeme zu verschieben, die dann in der Summe gigantische Geldbeträge ausmachen. Thomas Knüwer hat einen interessanten Artikel zum Thema Yahoo-Übernahme geschrieben. Die Unglaublichkeit, dass Yahoo doch alleine weitermachen kann, scheint für einige sogenannte Analysten nicht in ihr 0815 Schema zu passen. Der Trick, allen Mitarbeitern im Falle einer Übernahme eine hohe Abfindung zu garantieren (den ja dann das übernehmende Unternehmen tragen müssten), scheint ein guter Übernahmeschutz zu sein, und vertritt das einzig wichtige in einer Firma wie Yahoo: Die Bindung der Mitarbeiter und somit der Verbleib des Wissens in der Firma. Das aber Analysten bei zu bringen wird noch dauern, obwohl man das eigentlich nach Googles Börsengang verstanden haben müsste. Dachte ich.
- PR Desaster für Einsteiger: Louis Vuitton verklagt Dafur-Aktivistin. Selbst wenn dort gezeichnete Produkte ähnlich aussehen, würden 50% der Menschen diese Taschen eh nicht erkennen (die Männer). Also warum so einen Aufstand machen? Der Werbeblogger beantwortet die Frage recht eindeutig...
- PR Desaster für Einsteiger 2: Unser neuer Lieblingseinzelhandelsdiscounter Lidl. Lidl und Welt online schließen einen Pakt, der bestimmt rein user generated ist. Das eigentliche Disaster war aber der Auftritt vom Aufsichtsrat-Chef Gehrig bei Kerner zwischen den beiden Journalisten Grill und Wallraff. Vorzüglich demontiert.
- Die Forderungen für eine zeitgemäßte Netzpolitik klingen für mich als Internetjunkie ja relativ nachvollziehbar. Wie aber bringt man nicht internet-affinen Bevölkerungsteilen bei, dass Internet Grundversorgung sein sollte und Fernsehen tot ist... Ganz zu schweigen davon, wie man das der GEZ beibringt. Ansonsten ein lesenswertes Manifest.
- Wo wir gerade von Internetjunkies sprechen. Die Zahl der Onlinejunkies wächst. Kritischer Bericht. Das Problem bei Onlinespielen ist, dass man nicht zwischendurch pinkeln gehen kann (ohne sein soziales Prestige zu verlieren - wtf?). Vielleicht sollte man werbefreies Fernsehen demnach auch abschaffen? Auch Übermüdung, Mangelernährung, Verwahrlosung seien Anzeichen der Sucht. - Weg mit dem 3-Tage Bart, McDonalds Verbot und Schlaftabletten? Irgendwie fehlt diesem Artikel ein Fundament, gegen das man argumentieren könnte. Oder ich hab ihn nicht verstanden.
- Endlich gibt es eine Anwendung für den Hackerparagraph. Wobei ich sie nicht verstanden habe, denn der Handel mit Kreditkartendaten war ja schon vorher strafbar. Ansonsten waren die beteiligten Personen zwischen 15 und 22, und somit im besten Alter, sich so langsam zu Hackern zu entwickeln, die vielleicht auch ethisch handeln. Mit dem Dämpfer wird aber keiner von den talentierten Leuten später mal in dem Gebiet arbeiten, in dem sie sich heute wohlfüllen und wahrscheinlich 99,9% ihrer Mitbürger locker in die Tasche stecken. IT-Security wird halt überbewertet.
- Zwischendurch mal wieder technisches. OSGI und die neue Spring Source Application Platform Lösung lässt mich ja nicht los, auch wenn ich mir sie noch nicht angeschaut habe, da mir momentan das OSGI Wissen fehlt (ich wusste ebenfalls nicht, dass SpringSource Covalent gekauft und damit ja indirekt auch über den Apache Tomcat und httpd bestimmt). Hier gibt es eine recht technische Einführung über die verschiedenen Deployment Optionen. Und heuer gab es direkt noch einen Nachschlag zum Thema Manifest Headers.
- Für die Google App Engine gibt es jetzt die ersten Anwendungen...
- Noch was zu lesen für zwischendurch: Neues Freies Magazin 05/2008 erschienen
- Java Tip des Tages: Die Joda-Time Bibliothek als Ersatz für die mitgelieferten Date/Time/Calendar Klassen - kannte ich bis dato auch nicht
- Der Kracher des Tages und ab sofort mein neues Lieblingsportal. Es gibt ja Communities für alles. Aber dass man sich inzwischen derart spezialisieren muss, um zu überleben, war mir auch neu.
- Und zum Abschluss noch zwei Neuigkeiten aus der Wirtschaft, die einen auch nicht mehr wirklich schocken, man ist ja schon weitestgehenst abgestumpft: Von der Gewerkschaft Transnet direkt in die Bahn Spitze ist ja ein ganz normaler Weg. Das zu toppen schafft allerdings Herr Obermann noch locker: Die Manager Gehälter sind angemessen, denn "in diesen Jobs arbeiten hochqualifizierte Leute, die Risiken tragen". Ja? Welche denn? Ich habe noch von keinem der in letzter Zeit gefeuerten Manager gehört (auch wenn sie danach in Steuerhinterziehungs- oder Korruptionsskandale verwickelt waren), die ihre Pension oder Abfindung nicht mehr bekommen oder zurückzahlen müssen. Also, welche Risiken bitte?
Donnerstag, 8. Mai 2008
Charlie Wilson's War von George Crile ist eines der Bücher, die ich mir gekauft hatte, weil ich den Kinofilm nicht gesehen hatte und dachte, dass ich dann alternativ das Buch lese. Der Inhalt lässt sich durchaus als Sprengstoff bezeichnen, die 500 Seiten in kleiner Schrift und auf Englisch sind aber definitiv nicht als leicht Lektüre für den Hin- und Rückweg der Arbeit gedacht - ich musste doch des öfteren eine Seite zurückblättern und nochmal lesen. Aber zurück zum Inhalt. Der Kongressabgeordnete Charlie Wilson, eigentlich ein kleines Licht aus Texas, der in Ansätzen durchaus liberal ist (Frauen gegenüber zum Beispiel), aber einen ausgeprägten Hass gegen den Kommunismus pflegt (und somit auch bei erzkonservativen Hardlinern gut ankommt), sieht im Einmarsch der Russen in Afghanistan die einmalige Chance, diesen einen Verlust, wie die USA ihn in Vietnam erleiden mussten, beizubringen. Dazu mobilisiert er Abgeordnete, Geldgeber, die CIA und erreicht, dass über Jahre hinweg Geld über geheime Kanäle vom amerikanischen Staatshaushalt in die Bewaffnung der Mujahedin, der heiligen Krieger des Islams, nach Afghanistan geflossen ist (jeder US-Dollar wurde übrigens nochmals großzügig von den Saudis verdoppelt, so dass schließlich ein jährliches Budget fernab einer Milliarde Dollar zur Verfügung stand). Interessant an der Geschichte ist prinzipiell die Art und Weise, wie die USA ihre Verbündeten zur Feinden erzogen hat, und ihre Feinde als Verbündete genutzt hat. Die heiligen Krieger waren vor den Anschlägen auf das WTC immer noch so etwas wie Verbündete, obwohl sie sowohl Saddam Hussein unterstützt haben, als auch ein Regime in Afghanistan installiert haben. Pakistan hingegen wurde lange Zeit als Sprungbrett zur Waffenlieferung benutzt, bis man herausfand, dass das Land dabei ist eine Atombombe zu bauen (es öffentlich zu leugnen und gleichzeitig in den USA nach bestimmten Teilen zu suchen, war allerdings auch nicht gerade geschickt). Nachdem man aber 9/11 nach Afghanistan gelinkt hatte, brauchte man wiederum Pakistan. Erstaunlich, wie stark sich die Freund-Feind Relationen innerhalb einer so kurzen Zeit verschieben können. Fazit: Interessant, sollte man aber nur bei wirklich viel Zeit lesen, weil es einfach dauert.
Montag, 5. Mai 2008
Ein Blick auf meine Statistiken enttarnt den durchschnittlichen Leser dieses Blogs eindeutig als Mitglied der Arbeitswelt. An Wochenenden habe ich pro Tag maximal ein Drittel des Traffics, der hier sonst an Wochentagen aufschlägt. Da es aber in beiden Fällen nicht allzu viel ist, ist es auch kein Problem. Nun aber zurück zu den Referer Open des letzten Monats, wie jeden Monat lassen die skurilen Hits durchaus nach, was auf ausgefeiltere Algorithmen schließen lässt. Ich glaube nämlich nicht, dass sich die Qualität des Blogs so unendlich gesteigert hat  - warum redet keiner mit mir am arbeitsplatz - alleine im Büro? Reiner Programmierer? Leben im Cubicle? Da gibt es doch dutzende Gründe
- rainald grebe umzug bnd - interessante Kombination, zusammen mit verschlußsache bnd rainald grebe
- bong vodka - Prost!
- harter sklavenvertrag - kein weicher, nein ein harter Vertrag. Was das wohl ist?
- sklavenvertrag -sklavin -herrin -domina -frau -girl -lady -jesus -marx -ustinov - das beantwortet die obige Frage
- darf man kameras zur überwachung bei klausuren anbringen - Nicht ob man darf, sondern wo das schon gemacht wird, ist ja dann die interessante Frage.
- lernt man im studium programmieren - soviel, wie in jedem Einführungsbuch, wenn es nicht gerade reine Informatik ist, die man studiert. Obwohl, ich bin sicher, bei Elektrotechnik und Physik lernt man eher studieren als bei Wirtschaftsinformatik
- video überwacht packstation geklaut - die ganze Packstation?
- gehaltserhöhung durch die blume - egal wie, hauptsache dass?
- powerpoint templates roland berger - wer hätte die nicht gern?
Sonntag, 4. Mai 2008
Bei der Beantwortung dieser Frage könnte man mir aufgrund meines Hangs zu kooperativen Systemen mit Sicherheit einiges an Parteilichkeit vorwerfen, deswegen werde ich hier eher meine bisherigen Erfahrung schildern, anstatt dass ich primär auf die unterschiedlichen Argumente eingehe. Wie bereits geschrieben, habe ich diese Woche bei KoopTech zwei nette Artikel zum Thema pro und contra Wikis im Unternehmenseinsatz gelesen. Ein mit Sicherheit hochaktuelles Thema, so stößt man auch in diversen Xing Forum ab und an auf Bitten für Umfragen für eine Diplomarbeit oder Literaturhinweise. Ich werde hier im folgenden Mal meine Erfahrungen mit Wikis in Unternehmen schildern Die Contra Gründe bei KoopTech sind allerdings von einem Vertreter des semantischen Webs vorgetragen worden, so dass diese vielleicht in Unternehmen noch nicht wirklich relevant sind. Ich werde hier nur auf die für mich bis jetzt relevanten eingehen. Ich habe bisher Wikis in zwei Unternehmen gesehen. Die Entwicklung der beiden Wikis verlief komplett diametral. Bei der einen Firma wurde das Wiki immer mehr und mehr mit Leben gefüllt und jeder Entwickler hat seinen Teil dazu beigetragen. Bei dem anderen Unternehmen war das Wissen, welches verteilt hätte werden müssen, sowieso schon nur auf wenige Personen verteilt und diese haben das Wiki fast vollständig ignoriert, so dass es lediglich ein Randdasein fristete und es auch nicht bemerkt wurde, wenn es mal 3 Wochen nicht lief. Contra - Wiki Syntax als Akzeptanz Problem. Das ist in der Tat ein Problem, gerade wenn es um etwas übersichtlichere Formatierung von Daten (z.B. in Tabellen) geht. Wer hier will, dass sämtliche Mitarbeiter den Umgang mit dem Wiki erlernen, muss hier wenigstens mal eine Einführung geben. Interessanterweise habe ich dieses Problem auch schon von reinen Softwareentwicklern gehört - denen es aber auch lieber war, sämtliche Dokumentation als Word Datei zu pflegen, um den kollaborativen Gedanken im Keim zu ersticken. Dieses Problem weitet sich allerdings auch noch weiter aus, wenn man von der einfachen Syntax eines mediaWiki zu etwas komplexeren Tools wie Twiki wechselt.
- Kategorisierung und Hierarchiesierung. Kategorisierung lässt sich inzwischen bei einigen Wikis nachrüsten, dafür müsste allerdings ein sinnvolles Tagging stattfinden. Bei einem der Unternehmen stand nach der Installation des Wikis auf einmal die Frage nach einer Hierarchie auf dem Programm. Das genau ist ja nicht Sinn eines Wikis in meinen Augen. Es geht um die Bereitstellung von Wissen, welches in meinen Augen auch nicht zwingend priorisiert werden muss, weil diese Priorisierung pro Person sehr unterschiedlich sein kann (Techniker vs. Vertriebler). Daher ist auch sehr schwer Suchergebnisse zu priorisieren.
- Rechtemanagement. Kurz gesagt: Ein großes Problem sowohl organisatorisch als auch in der Praxis aufgrund der Komplexität. mediaWiki besitzt gar kein ACL System (zumindest ist es nicht aktiviert). Vor allem, wenn dann noch die Idee vorherrscht, dass auch Kunden in das Wiki schauen können sollen. IMO ein absolutes "No". ACLs, gerade wenn der Autor der Seite diese auch noch selber managen müsste, würden früher oder später in die Hose gehen. Wie man dieses Problem löst, außer mit einem zweiten Wiki für Kunden, weiß ich allerdings auch nicht wirklich.
- Pflege. Im Artikel steht, dass so ein Wiki nach 1 bis 2 Jahren Pflege benötigt. Ich glaube, dass muss sehr viel früher geschehen, damit die Akzeptanz für dieses System nicht nachlässt.
- Wikis sind projektbezogen. Das sehe ich komplett anders. In meinen beiden Beispielen wurden Wikis eher als Ersatz für die bis dato fehlende Dokumentation des Systems oder für entwicklerinterne Dokumentation verwandt. Und genau da spielt ein Wiki auch seine Stärken aus, weil es sich der starken Veränderung einer Softwareentwicklung schnell anpassen kann.
- Das Wiki wird als Ersatz für alle andere verwendet. Sei es für Linksammlungen (social bookmarking), als Bugtracker, oder nur um Seiten zu erstellen, an die man dann ein Handbuch attached anstatt ein DMS für soetwas zu verwenden. Genau das wird die Akzeptanz stark senken.
- Datenexport. Lässt sich eine Seite formschön als PDF exportieren, so dass man diese einem Kunden in die Hand drücken könnte, oder muss man dafür ein weiteres Dokument anlegen? Oftmals ist das letztere der Fall und verdoppelt in diesem Fall die Arbeit.
- Initiale Datenpflege. Hier liegt in meinen Augen eines der größten Akzeptanzprobleme. In ein leeres Wiki wird nicht gern geschrieben. Was also kann man tun, damit die User anfangen, das Wiki mit Leben zu füllen? Anreizsysteme? Wer Vorschläge hat, raus damit. Bei kleineren Unternehmen kann man ja direkt zu den Leuten gehen, das funktioniert in größeren Unternehmen ja leider nicht mehr.
Pro - Wiki als Ersatz für CMS. Ein CMS ist oftmals am Ziel vorbeigeschossen, wenn man bestimme Informationen einer Gruppe von Menschen innerhalb eines Unternehmens anbieten will.
- Know-How-Sicherung in Unternehmen. Jeder Mitarbeiter hat Zugriff auf Wissen, auch wenn der Mitarbeiter nicht mehr im Unternehmen ist. Das benötigt natürlich das Einsehen des Mitarbeiters, dass Wissen nicht gehortet werden darf. Das ist das eigentliche Problem, welches sich nicht technisch lösen lässt.
- Unterstützung von Innovationsmanagement. Ganz klar, eine Art virtuelles Brainstorming, ohne dass man zu einem bestimmten Zeitpunkt kreativ sein muss. Allerdings habe ich noch nich ein Wiki in einer Firma auf diese Art genutzt gesehen.
- Für Softwareentwickler: Integration mit Ticket- und SCM Systemen. Tools wie trac (die sich ja inzwischen sogar via Mylyn in Eclipse integrieren lassen) spielen hier ihren größten Trumpf auf. Das ist nur ein Teil eines Softwareprojektes, und alle anderen benötigten Dinge gibt es ebenso anbei. Hier spielt das Bundle seine Stärke aus, da aufgrund des reinen Vorhandenseins aller Tools schon ein gewisses Maß an Zuständigkeiten selbst erklärt ist.
Also, seht zu, dass ihr alle Wikis in eure Unternehmen packt. Update: Es hat sich zu diesem Thema vor allem abseits meines Eintrags eine interessante Diskussionskultur entwickelt. Bei Frogpond sowie Johannes Miskaliuk gibt es neuen Input sowie eine Zusammenfassung bei Kooptech. Danke für die Kommentare.
Donnerstag, 1. Mai 2008
Da ich leider keine Zeit für Mai Krawalle hatte, bin ich spießermäßig im Haus geblieben... man wird ja nich jünger. - Statistiken für Einsteiger: SpOn hat diese Woche China als das Land mit den meisten vollzogenen Todesstrafen dargestellt. Absolut ist das auch richtig, aber das man so etwas auch in gewisse Verhältnismäßigkeiten wie der Gesamtbevölkerung setzen könnte, da ist rein zufälligerweise wohl niemand drauf gekommen. Die Grafik sieht dann nämlich etwas anders aus. Und auf einmal sind die USA und China gar nicht mehr so weit voneinander entfernt
- Saudi-Arabien, dass auch in der obigen Statistik steht, hat just einen Blogger, der einen kritischen Kommentar gegenüber der Herrscherfamilie losgelassen hat, nach mehr als 4 Monaten in Haft freigelassen. Repression und Todesstrafe scheinen doch irgendwie in Zusammenhang zu stehen.
- Wikis in Unternehmen. Ich hab mit Wikis in Unternehmen erst zweimal Erfahrung sammeln können. Das eine Mal hat es super funktioniert, das andere Mal war es ein Desaster, bei dem das in der Firma sowieso schon nur zentral gesammelte Wissen (aka "nur einer weiß es") es natürlich auch nicht in das Wiki geschafft hat. Das Kooptech Blog hat Gründe für und wider von Wikis aufgelistet. Wenn ich dieses WE Zeit habe, werde ich da wohl nochmal einen separaten Artikel raus machen. Sehr interessant.
- Wow. Microsoft lehrt "geistiges Eigentum" in deutschen Schulen und die Politik findet es natürlich toll. Die Politik sieht wahrscheinlich nur die "gesicherten" Arbeitsplätze. Fehlt nur noch, dass Monsanto eine grüne Biokampagne startet (manchmal hoffe ich ja noch, dass Zynismus nicht von der Realität überholt wird).
- Wann das wohl in München kommt, wir haben ja ähnlich orientierte Politiker: In New York laufen Polizisten in den U-Bahnen jetzt mit Maschinenpistolen herum. Naja, immerhin sinds deutsche Waffen, ein Hoch auf den Export.
- Stevia ist ein Ersatz für Süßstoff, dessen Verwendung als Lebensmittelzusatz in der EU verboten ist, obwohl es gesünder ist. Jetzt kommt Coca-Cola und will Stevia nutzen, pulverisiert den Monsanto Antrag, setzt ein paar Patente durch, wandelt den Stoff etwas ab und nennt ihn in Rebiana um und dann geht es. Alles zum Wohle des Kunden, versteht sich.
- Über Gladio berichte ich ja immer gerne, weil man damit auch sämtliche aktuellen Terroranschläge grundsätzlich in Frage stellen sollte. Daniele Ganser hat zu dem Thema NATO Geheimarmeen vor kurzem ein Buch herausgebracht (welches aber glaube ich 40 EUR kostet, und mir damit etwas zu teuer ist). In diesem Interview geht es auch darum, wie die deutsche Regierung diese geheimen Strukturen gedeckt hat, unabhängig davon, welche der beiden großen Parteien gerade an der Macht war. Soviel zum Thema vertrauen. Bis heute werden geheime Dokumente zu diesem Thema nicht freigegeben, was irgendwie darauf schließen lässt, dass diese Geheimarmeen noch heute einen starken Einfluss ausüben. Sehr passend dazu auch dieser Artikel von "Mein Parteibuch", der ganz gut die Verflechtungen von NATO und Politik in Deutschland beschreibt.
- Das Konvent für Deutschland hat ein neues Paper herausgebracht, und scheint dort weiter zu machen wo die INSM aufgehört hat, nur mit mehr Druck. Wenn man mal schaut, wer als Förderer gelistet ist, sollte dieses Gremium eine mehr als solide Finanzdecke haben.
- Das Highlight der Woche hat mal wieder der amtierende Bundesminister des Inneren hervorgebracht. In einem Interview fährt er alle Geschütze auf. Journalisten müssen nicht geschützt werden, Weblogs sind Müll und Zeitungen sind Qualitätsjournalismus. Sowohl Fefe als auch Mein Parteibuch haben das ganze mehr als ausreichend kommentiert.
- Ein Hoch auf Bayern: Hier wird gerade das Versammlungsgesetz beschnitten. Law and Order par excellance
- Mal was technisches in diesen Links: Java, OSGI und Webapplikation - hat da jemand Buchtipps oder Links? Ich würde mir da gerne mal die Basics aneignen. Gerade die Konvertierung großer Applikationen ist ja interessant, um die Wartbarkeit zu erhöhen und Ausfallzeiten zu verringern.
- Cutting costs with Cloud Computing. Warum Microsoft da schnell nachziehen muss, damit nicht ein weiterer Zug für sie abfährt... Lesenswerter, kurzer Artikel
- Und zum Abschluss: Klare Ansagen - und eine Viertelstunde verschafft Fernsehen den nötigen Tiefang

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