Samstag, 9. Januar 2010
Wie in den letzten Jahren auch, habe ich mir auch dieses Jahr wieder "das kritische Jahrbuch" von Gerhard Wisnewski gegönnt. Mit 6,95 EUR ja auch durchaus im Rahmen. Die Bücher sind generell zwar nicht für bare Münze zu nehmen, sinnvolle Denkanstöße geben sie aber durchaus. Dennoch ist diese Version anders. Es wirkt, als wäre es nur nebenbei geschrieben worden - hektisch zusammengestellt. Vor allem aber wirkt es als Werbung für die anderen Bücher von Wisnewski, was man den letzten beiden Jahresrückschauen nicht anmerken konnte. Einige Beispiele - Bereits im letzten Jahr wurde der Band die Bandbreite ein paar Seiten eingeräumt. Dieses Jahr wurde direkt im Vorwort nochmal auf die Band hingewiesen, dass viele Songtexte Futter von Wisnewskis Büchern bekommen haben. Gut und schön, aber da hätte auch ein Satz gereicht.
- Neues über Haider: Anstatt von seinen Theorien aus dem Buch von letztem Jahr zurückzutreten, spricht er kurz über Haider, dann über die Gefährlichkeit von Airbags und schreibt als letzten Satz etwas wie "Was den Faill Haider betrifft, das steht in meinem anderen Buch".
- Bilderberger Konferenz: Kaum Fakten außer ein paar Details über die hermetische Abriegelung (ein paar Infos über die Besucher diesen Jahres zum Beispiel?). Dafür aber ein weiterer Verweis auf ein im Jahr 2010 erscheinendes Buch von ihm.
- Bibel: Jetzt kommt es nochmal unerwartet. Wisnewski nimmt den Besuch vom Papst in der Moses-Gedenkstätte zum Anlass mal in der Bibel zu blättern und das gesagte des Papstes mit geschriebenen in der Bibel zu vergleichen. Zwischen Schweinegrippe und Bilderbergertreffen Bibelstunde? Fehlte eine echte Story?
- Werbung für andere Bücher: Quellenangaben sind gut und wichtig. Aber wenn man sich auf ein Buch bezieht wie "Obama - der falsche Messias" vom Kopp Verlag ist es irgendwie auch angebracht, darauf hinzuweisen, dass man selber bei diesem Verlag ebenfalls Bücher veröffentlicht. Sonst entsteht da ein Geschmäckle.
- Mondlandung: Hier hat Wisnewski bereits ein Buch drüber geschrieben und wird hier nicht müde zu erwähnen, dass die Mondlandung gefaked ist. Als Anlass nahm er, dass sich Peter Hintze eine deutsche Mondmission erträumt hat. Insgesamt drehten sich gleich drei Artikel in dem Buch über dieses Thema.
Insgesamt lässt das Buch wegen dieser Punkte einen sehr zwiespältigen Eindruck, obwohl durchaus interessante Themen wie Bundestagswahl, Tanklastbombardierung, Schweinegrippe, Iran und IT-Zensur (hier offenbart der Autor allerdings doch durchaus technische Verständnisprobleme) mit dabei waren.
Freitag, 8. Januar 2010
Es fällt schwer, dieses Buch zu kategorisieren. Es ist außerdem eines dieser Bücher, nach denen man nie sucht, die man nur zufällig im Regal findet. Günter Dück ist promovierter Mathematiker und einer der Chefforscher bei IBM. Und trotzdem schreibt er über kein technisches Thema, sondern nur wie Technik uns helfen kann, unterschiedliche Menschen in ihre perfekte Arbeitsumgebung einzugliedern. Dazu fängt er ganz weit unten an (und das war schon sehr interessant). Bei der Einstufung von Persönlichkeiten mit Hilfe von Keirsey bzw dem Meyers-Briggs-Typindikator (interessant auch hier die Kritik an diesem System in dem Artikel). Das Buch ist garniert mit Beispielen, wieso viele Meßsysteme (sei dies in der Wirtschaft oder in der Schule) das falsche Messen, weil sie lediglich auf einen bestimmten Typus von Person optimiert sind oder gar nur auf Erhaltung des Systems anstatt auf Erweiterung. Dass unsere Arbeitswelt inzwischen aber sehr viel komplexer ist, weiß eigentlich jeder, nur in die Art und Weise der unterschiedlichen Behandlung der Mitarbeiter hat dies noch keinen Einzug gehalten (zum Beispiel wird dies noch kompliziert bei Autisten, die vielleicht die Arbeit eines Dutzend anderer Mitarbeiter in einem Bruchteil der Zeit erledigen könnten, aber dennoch auch zwischendurch nicht berechenbar unproduktiv sind und noch einen Pädagogen im Team benötigen würden - aber in der Summe immer noch produktiver wären). Insgesamt also eine absolute Leseempfehlung, allerdings sollte man sich für die 500 Seiten durchaus etwas Zeit nehmen, um auch noch drüber räsonieren zu können. Zusätzlich hat der Autor eine eigene Homepage (ok, das ist jetzt noch nichts schwer spezielles tolles) mitsamt regelmäßig erscheinender Kolumne. Sollte man mal abonnieren.
Donnerstag, 7. Januar 2010
Das nächste Buch von Michael Jürgs, nachdem ich gestern schon so über Seichtgebiete frohlockte. In diesem Fall bin ich dann auch leicht positiver überrascht. Da ich 1989 noch jung und klein war, ist diese ganze Sache mit der Wende für mich eigentlich immer so unter "ferner liefen" gelaufen. Hier immerhin ist der erste Teil eine ganz interessante Zusammenfassung der Ereignisse, und der zweite Teil des Buches die Begegnung mit einigen Menschen aus dem Osten, die über die Zeit damals erzählen. Das Buch ist zwar hier und da ganz nett zu lesen, erweckt aber immer wieder den Eindruck, als sei es nur dazu geschrieben, unbedingt zu zeigen, dass Unterschiede zwischen Ost und West existieren (welch Wunder nach einer derart kurzen Zeitspanne) - irgendwie, um auf der Jubiläumswelle mitzureiten. Daher ist der Autor erstmal wieder von der Bücherliste gestrichen.
Mittwoch, 6. Januar 2010
Das Buch lag eigentlich so in der Buchhandlung rum, und da ich bereits "Wie gehts Deutschland" vom gleichen Autor in der Hand hielt, habe ich das hier auch gleich mitgenommen. Ja, und das soll eigentlich auch schon die Ausrede sein - es gibt nämlich keinen anderen Grund, es mitgenommen zu haben.Da ich Michael Jürgs ein paar Mal in Interviews in Zapp bewundern konnte, dachte ich mir, vielleicht schreibt der ja auch ganz interessant. Seichtgebiete ist vieles, interessant allerdings nicht. Das erste Kapitel, eine absichtlich vor Polemik und Ironie triefende Einleitung auf das Fernsehen als Intelligenzabsauger könnte man noch als witzig gemeinten Einstieg verstehen. Allerdings erholt er sich nicht mehr von dieser Polemik und setzt von da an nur noch seinen eigenen Maßstab für Bildung, Weltsicht und kulturelles Fernsehprogramm an. Aber nochmal kurz zum Inhalt: Das Buch soll zeigen, "warum wir hemmungslos verblöden". Genau das tut es aber nicht. Natürlich kann man die Schwachsinnssendungen des deutschen Fernsehens aufzählen. Kann man ein Buch mit füllen. Aber dann muss man keine Erklärungen abliefern, warum das so ist. Und genau die fehlt. Aber sowas wäre wahrscheinlich auch nicht im Bertelsmann Verlag erschienen. Empfehlung: Perfekt für den Kamin.
Dienstag, 5. Januar 2010
Nachdem ich in den letzten drei Jahren so gut wie nur in Java entwickelt habe (einige private Gehversuche mit Grails mal abgesehen), war es für mich einfach mal an der Zeit, sich eine weitere Programmiersprache anzusehen. Da ich mit Ruby nie richtig warm geworden bin, ist es für mich natürlich am einfachsten, etwas Java sehr nahestehendes zu testen. So kam ich zu Scala. Ist natürlich reiner Zufall, dass Play in der Version 1.1 Scala Support haben wird...
Venkat Subramaniam gibt in Programming Scala: Tackle Multicore Complexity on the Java Virtual Machine (immerhin ist der Name des Titels so länger als der des Autors) eine ca. 250 lange Einführung in Scala. Unterschiede zu Java, Actors, Exceptions, Traits, Unit Tests... das komplette Paket wird abgearbeitet. So weit, so informativ. Allerdings fand ich das Buch jetzt nicht spezifisch zum Thema Multicore Complexity - was allerdings auch an mir liegen kann. Ich hatte durchaus Probleme, mich in die Andersartigkeit von Scala reinzudenken. Vielleicht sollte man sich viel öfter mal wieder eine andere Programmiersprache anschauen. Irgendwie kommt man doch aus der Übung. Ansonsten kann man das Buch für einen schnellen Überblick aber durchaus weiterempfehlen.
Montag, 4. Januar 2010
Da ich hier noch eine ganze Elle an Büchern habe, werde ich diese in den nächsten Tage sukzessive aufarbeiten. Fangen wir an mit einem nicht-technischen Buch, Blackwater von Jeremy Scahill. Das Buch soll die Thematik um das Unternehmen Blackwater, neuerdings XE, beleuchten. Dass Blackwater inzwischen als Ersatz für Armeen verwendet wird, ist nichts neues. Dass diese Soldaten im Endeffekt Söldner aus aller Herren Länder sind, ebenso wenig. Das diese Soldaten unter anderem im Irak kein Verhalten wie übliche Zivilisten an den Tag legen, hat man in der Presse auch schon gelesen. Einzig die Ausmaße - ein Drittel der Ausgaben des US-Militärs gehen an private Unternehmen - sind ganz interessant, wobei diese auch nur als Randnotiz gehandhabt werden. Einer der fehlenden Erklärungen sind Grundlagen. Wieso kann eine Firma wie Blackwater so groß werden? Ist hier nicht ein Versagen des Staates zu monieren? Verteidiung und Angriff sollte doch den Ländern und nicht Privatarmeen überbleiben. Leider steigt das Buch an der Stelle später ein. Insgesamt ganz nett für zwischendurch, aber wenn öfter News abseits der gedruckten Presse liest, steht auch hier wenig neues oder interessantes.
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