Su-Shee hat einen tollen Artikel "Wes' Buch ich les', des' Kind ich bin" geschrieben, mit was Sie sich heute identifiziert und mit was nicht und woher diese Identifikation kommt. Das ganze fing mit dem Gedanken an, dass es früher so war, dass man sich mit dem Werk eines großen Autors identifiziert und darauf die eigene Philosophie aufgebaut hat. Natürlich überhaupt nicht mehr zeitgemäß.
All diese Fragen stellt man sich beim Lesen unweigerlich selber. Hat man irgendein Vorbild? Ich denke nicht. Allerdings ist der Grund dafür sehr simpel. Wenn man sich viel stärker für die Zukunft als für die Vergangenheit interessiert, hilft einem eine Person, die etwas in der Vergangenheit erreicht hat, überhaupt nicht. Ich hatte auch mal so eine Phase, wo ich unbedingt irgendwelche tollen, bekannten, großen Werke lesen musste. Nachher sagt man dann immer "Oh, was interessant". Mag ja sein, aber es fehlt für mich das wirklich Fesselnde des Neuen, des Unbekannten. Ebenso wie im Artikel erwähnt langweilen mich irgendwelche philosophischen Grunddiskussionen inzwischen völlig. Wer sich drüber unterhalten will, sehr gerne, nur am besten nicht mit mir.
Mich interessiert die Zukunft. Das, was noch geht. Gentechnik, Medizin, Bionik, Vernetzung, Information für alle, Gleichheit - da geht was, das sind Themen, die mich bewegen und über die ich mich liebend gerne mit anderen unterhalten will. Allerdings bin ich Techniker mit einem Schuss Ethik, aber bestimmt kein Philosoph (Technik will nicht nur effektiv, sondern auch effizient genutzt werden).
Probleme sind ein weiteres Thema. Man kann den ganzen Tag die über die Probleme in Boulevardblättern diskutieren (Special auf ZDF heute abend, Kinder der Königsfamilie - toll, ne?), oder eine halbe Stunde über die Stimmlage des Dozenten, wenn er bestimmte Worte ausspricht und wie sehr das einen doch anwidert (genau so gehört) - wer das tut, hat sonst echt keine Probleme. Andere Probleme werden verdrängt (insgeheim wundert es mich ja, wie man bei Amnesty International tätig ist und sich gleichzeitig beruflich im Bildungsbereich der Bertelsmann Stiftung in Schulen stark macht), je nach Belieben. Und Probleme, die einen selber nicht direkt betreffen (Online-Durchsuchung, biometrische Daten auf Dokumenten, Abschottung von EU-Grenzen und anderer Protektionismus, Menschenrechte, RFID... diese Liste umfasst all das, was die Risiken meiner geliebten Zukunft sind, also das, was Techniker ohne Ethik und Philosophen erstellt haben), werden vollständig ausgeblendet.
So, jetz bin ich weit genug vom Thema abgeschweift, als dass es sich lohnt, noch weiter zu schreiben. Kurz gesagt, sollte man sich klarmachen, wo(für) man (ein)steht. Rückgrat und ein gesunder Blick nach vorn schaden nie. Um es mit dem Buch einer Person auszudrücken: Die neue Renaissance