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Wikis in Unternehmen - Fluch oder Segen?Sonntag, 4. Mai 2008Kommentare
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Zum Thema Rechtemanagement: Es gibt Wikis, die die Einrichtung von Spaces zu lassen. Für jeden Space lässt sich dann festlegen, wer Zugriff hat und wie die Lese- und Schreibrechte aussehen sollen.
Twiki zum Beispiel unterstützt auch eine gewisse Gruppenfunktionalität. In Unternehmen wäre wahrscheinlich eine Single-Sign-On Lösung am liebsten gesehen. Gibt es irgendwelche Empfehlungen für Wiki-Software in Unternehmen - ich kenne ja nur Twiki und mediaWiki
Space lassen sich z.B. in DokuWiki darstellen, das in etlichen Unternehmen eingesetzt werden soll, erzählte sein Entwickler auf der re-publica.
Hallo, zum 8. Punkt der Contra-Liste hätte ich einen Vorschlag: In vielen Unternehmen existieren Dokumente, die bestimmte Arbeitsabläufe definieren, Ansprechpartner samt Spezialwissen,... Diese Inhalte lassen sich initial in das Wiki einbringen, einerseits um die Basis zu legen, gleichzeitig und genau diese Inhalte zur Bearbeitung freizugeben.
Hi Ludwig,
ich wusste, dass ich vergessen würde, etwas in dem Artikel zu erwähnen. Und zwar bei der Einführung von Wikis gibt es zwei Möglichkeiten: Von unten und von oben. Von oben bedeutet, dass dies von der Führung gewollt ist, was impliziert, dass der Chef weiss, was Wikis sind, und dass es sinnvoll ist, dass die Mitarbeiter da machen, "was sie wollen". Möglichkeit zwei ist die in meinen Augen in der Mehrheit Unternehmen verbreitete (Achtung, stark subjektiv, man belehre ich gerne eines Besseren), dass ein Techniker ein Wiki installiert und dann predigen gehen muss, damit andere dieses Wiki mit Inhalt füllen. Und erst wenn eine "kritische Masse" an Content erreicht ist, wird das Projekt nach oben weitergereicht werden und von dort gepusht. Insofern ist deine Idee gut, aber es die Frage, ob es vom Chef initial abgesegnet wird, bereits existierende Dokumente nochmals im jeweiligen Format des Wikis zu erstellen, oder ob man seine wahrscheinlich eh schon knappe Arbeits- oder sogar Freizeit dafür opfern will. Irgendwer wird am Anfang Zeit opfern müssen, damit nachher viele Zeit sparen. Die Frage ist nur ob der Chef/Abteilungsleiter/Controller/Zahlenspießer das auch so sieht...
Hi Alexander,
ich stimme dir zu "oben und unten" vollkommen zu. Mein angeführtes Beispiel stammt konkret aus einem gestrigen Gespräch mit einer PR-Agentur-Leitung, die sich als schnell wachsendes Unternehmen sehr für internes Wissensmanagement interessiert. Sie zeigte sich für die Idee sehr aufgeschlossen. Es gibt einige Beispiele für die Entwicklung von unten, aber ich denke, die Unterstützung der Chefs ist immer wünschenswert - allein schon um die nötigen Ressourcen für die Initiierung bereitzustellen, den Innovatoren den Rücken zu stärken und die Zweifler einzubinden. Nötig ist dafür allerdings, klar, auch ein gewisser "Leidensdruck", der sich am Besten schon betriebswirtschaftlich ausdrücken lässt, z.B. regelmäßig gesprenge Kalkulationen für Projekte.
Die Leitung sollte unbedingt "mitgenommen" werden, möglichst sogar auch für Input. Die Vorbildfunktion ist enorm wichtig. Außerdem sollte es eine Kerngruppe geben, die freiwillig vorab einiges reinstellt - damit es nicht die abschreckende weiße Seite gibt. Das habe ich jedenfalls von einem sehr erfolgreichen Beispiel gelernt.
Die Leitung sollte nicht nur mitgenommen werden, sondern eher noch die Vorbildfunktion ausleben (trotz der höchstwahrscheinlich knappen Zeit). Als Führungskraft mag man vielleicht nicht so viel fachliches Know-How haben wie einige der Mitarbeiter, aber das Methodik- und Prozesswissen (allein aufgrund der langen Erfahrung, sonst wäre die Person ja wahrscheinlich nicht in der jeweiligen leitenden Position) sollte schließlich auch niedergeschrieben werden.
Nichtsdestotrotz freut es mich allerdings, dass Wikis auch abseits von reinen IT-Unternehmen Einzug halten. Ich denke, hier gebührt die Ehre eindeutig der Wikipedia, die gezeigt hat, mit welch vergleichsweise einfachen Mitteln Wissen gesammelt und für andere aufbereitet werden kann.
Wikipedia ist zwar wichtig, sorgt aber bei manchen zu einer etwas verkürzten Erwartungshaltung gegenüber Wikis, indem Wikis einfach mit der Funktion "Lexikon" oder "Glossar" assoziiert werden. Wikis sind aber in der Unternehmenspraxis alles mögliche ... und der Einsatz ist inzwischen so differenziert, dass man gar keine Anleitung mehr geben möchte, wie denn ein Wiki am besten zu nutzen sei ...
Bei der Erwähnung von Wikipedia wäre ich auch vorsichtig, ich konnte die gleiche eingeschränkte Sicht auf die Einsatzgebiete feststellen. Das ging obendrein soweit, dass einer mehrjährigen Nutzerin nicht klar war, dass da im Grunde jeder editieren kann. Das kollaborative Element war ihr gar nicht bewust, für sie war es im Grunde eine simple Webseite.
Anders herum sprach ich kürzlich mit einer Bekannten und stellte fest, dass sie ein Wiki nutzte, ohne es zu wissen (MoinMoin) - sie wurde daran zu Beginn als Arbeitsplattform hingeführt. Kein neuer Begriff, keine Ängste. Vielleicht ist das auch eine Möglichkeit?
Ihr habt beide natürlich völlig recht. Ich habe Wikipedia da viel zu sehr als Techniker gesehen. Für die meistens ist es einfach eine riesige Wissenssammlung, die sich "irgendwie zusammengestellt" hat (man sieht nicht die Plattform, sondern primär natürlich den bereitgestellten Nutzen, kennt man ja von Bedürfnissen in der BWL). Der partizipative Gedanke wird dort auch nur sehr eingeschränkt gelebt (wie bei dem meisten User Generated Content allerdings). Alles eine Sache der Sichtweise, meine war da... etwas kleiner
Das mit dem differenzierten Einsatz sehe ich auch so. Den Gedanken mit der Namensgebung finde ich sehr interessant und habe ich auch schon beobachtet. Wobei man sich ja eigentlich von Namenskonventionen nicht abschrecken lassen sollte... da wären wir dann wieder beim Unterschied zwischen Theorie und Praxis, der manchmal alles ausmacht.
Auch mir ist als Wikiverfechter Parteilichkeit vorzuwerfen, kann die Argumente aber größten Teil unterschreiben.
Zwei Punkte sehe ich anders, ich schlage zwei Lösungsbereiche vor, einen funktionalen (technischen) und eine psychosozialen (organisationalen) --> Siehe http://blog.moskaliuk.com/8-argumente-fuer-den-einsatz-von-wikis-in-unternehmen/ Rechtemanagement: Funktional: Lösbar zum Beispiel durch den Einsatz von Windows Active Directory. Für das Wiki können bestehende Rechtestrukturen übernommen werden. Psychosozial: Ein Erfolgsfaktor für den Einsatz von Wikis ist eine flache Hierarchie und der freien Zugänglichkeit von Inhalten. Idealerweise ist die Einführung von Wikis in einer Organisation verbunden mit einer Änderung der Organisationskultur im Bezug auf den Umgang mit Wissen und Informationen zwischen Hierachieebenen. Das Wiki wird als Ersatz für alle andere verwendet. Funktional: Ein Wiki kann nicht Ersatz für alles sein, da die Funktionalität von Wiki z.B. die Anpassung komplexer Workflows erschwert, oder vertrauliche Kommunikation one to one nicht sinnvoll ermöglicht. Psychosozial: Unsinnige Einsatzmöglichkeiten für Wiki senken die Akzeptanz, klar. Aber: Ein Wiki darf keine Zusatzbelastung sein, kein Addon, sondern es muss die Arbeit (was Wissensmanagement) des einzelnen erleichtern. Und dazu gehört auch, andere Tools zu ersetzen.
Hi Johannes,
Die Einteilung finde ich sehr interessant und wichtig, wobei der psychosoziale Aspekt eigentlich die übergeordnete Rolle spielt. Das ein Wiki in Unternehmen mit strengen Hierarchien gnadenlos fehlschlagen wird, ist sehr wahrscheinlich (schuld ist dann die Technik). Das Problem mit dem Punkt "Wiki als Ersatz für alles" liegt oftmals in der Anspruchshaltung, dass man die eierlegende Wollmichsau haben will (als Beispiel sei in meiner Umgebung ein in einem CRM System integrierter Bugtracker genannt, der natürlich nur schwer an die benötigten Features für Softwareentwickler angepasst werden kann). Die Unix Philosophie "One Tool for one purpose" ist etwas, was auch wieder schwer in den psychosozialen Bereich mit hineinreicht, da man viele Menschen erst überzeugen muss, mehrere Tools für unterschiedliche Zwecke zu verwenden (oder die Daten dieser verschiedenen Tools nach Möglichkeit wiederum (beispielsweise innerhalb von Portalen) zu aggregieren, so dass der Anwender immer eine zentrale Stelle hat - das ist einer der Punkte, der gerade von Technikern sehr gern übersehen wird).
Ja, dass mit jeder Technologie auch eine gewissen Affordanz verbunden ist, bestimmte Sachen damit zu tun und wiederrum andere nicht, muss man sich immer wieder klar machen. Und oft fällt Techniker und Ingenieuren als letzte auf, was ein sinnvoller Einsatzzweck ist. Bestes Beispiel finde ich die SMS, die als Abfallprodukt durch den Äther geschickt wurde und mittlerweile für viele Handynutzer Hauptanwendung ist.
Übrigens: Ich habe ein Blogparade zum Thema Konstruktion und Kommunikation von Wissen mit Wikis gestarten, und freue mich, wenn Du dich beteiligst. |
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Mein letzter Beitrag zum Thema "Wikis in Unternehmen" ist ja für die Verhältnisse dieses Blogs nahezu unglaublich viel kommentiert worden. Johannes hat mich daraufhin auf seine Blogparade aufmerksam gemacht, für die dieser Artikel gedacht ist.
Aufgenommen: Mai 26, 16:36