Mein letzter Beitrag zum Thema "
Wikis in Unternehmen" ist ja für die Verhältnisse dieses Blogs nahezu unglaublich viel kommentiert worden. Johannes hat mich daraufhin auf
seine Blogparade aufmerksam gemacht, für die dieser Artikel gedacht ist. Des Weiteren hat er dort das Thema Wikis nochmals in drei Unterthemen aufgeteilt. Ob ich diese Aufteilung und die Bedingung, nach Möglichkeit nur einen dieser Themenkomplexe anzureissen, erfülle, wird sich erst im Laufe dieses Artikels herausstellen.
In diesem Artikel soll es hauptsächlich um das Thema "Motivation der Teilnahme an Wikis" gehen, da dies eines der zentralen Elemente für das Fortbestehen von Wikis ist. Hier stößt man gleichermaßen auf Probleme, die sogenannte "Web 2.0" Anwendungen generell haben (ich weiß, der Begriff ist etwas hölzern und könnte ewig diskutiert werden, wird aber gleichzeitig von genug Menschen in diesem Kontext verstanden). Ich habe das ganze jetzt mal in die Sparte "Theorie und Empirie" gepackt, die anderen passten noch weniger.
Die Motivation für die Teilnahme an einem Wiki teilt sich erstmal - wie jede Motivation - in extrinsische und intrinsische, also in von außen und von innen heraus resultierende Motivation. Bei der intrinsischen Motivation stößt man schon direkt auf eines der ersten Probleme. Warum sollte ich als Mitarbeiter mein wertvolles Wissen aus meinem Kopf in die Firma schleppen. Der findige Programmierer hat einen Grund: Faulheit. Er muss keine Fragen beantworten. RTFM bekommt hier eine völlig neue Bedeutung. Interessanterweise sollte genau dieser Grund auch der Grund für die Führungskräfte sein. Ein Wiki lässt die Aufbauorganisation, wie man sie aus dem Organigramm gewöhnt ist, in sich zusammenfallen. Das heisst, man benötigt weder einen Umweg über mehrere Instanzen noch eine festgelegte, statische fayolsche Brücke. Generell gilt zu sagen, dass ein Wiki ein bestimmtes Menschenbild verlangt, welches am ehesten mit dem in der Theorie Y wachsen und gedeihen kann. Denn hier kommt es jetzt zu einem großen Problem im Zusammenhang (nicht nur) mit Wikis. Die extrinsische Motivation. Soll man als Führungskraft Geld für jeden neu angelegten Wiki Artikel bezahlen? Abgesehen davon, das Geld schon lange nicht mehr als wirklich motivierender Faktor gilt, würde die Qualität darunter leiden - und hier ist man bei einem weiteren interessanten Aspekt von Wikis in Unternehmen: Wie definiert man Qualität? Damit hätten wir die Fragestellungen dieses Artikels:
- Wie schafft man Anreizmechanismen, ein Wiki im Unternehmen aktuell zu halten? Der einfachste Anreizmechanismus wird ein Wiki sein, welches dem Neueinsteiger hilft, ein Großteil seiner Probleme zu lösen, so dass sich das Wiki zu einem Instrument mit Mehrwert entwickelt, in das man Informationen einfügt, damit dies anderen genau so viel Zeit spart wie der Person selbst. Man muss also "Gründe entwickeln", damit das Wiki regelmäßig besucht wird. Wie bei den meisten Web 2.0 Anwendungen, editiert nur ein kleiner Teil der Besucher das Wiki wirklich. Je mehr Besucher man aber hat, desto eher steigen die absoluten Zahlen, was für den Start eines Wikis extrem wichtig ist. Um Besucher anzulocken, könnte man also
- Firmenwichtige Nachrichten: Eine "Neuigkeiten" Seite, eine "Geburtstagsliste", Kontaktdaten, "About me" Seiten, die die Mitarbeiter mit Leben füllen
- Firmenunwichtige Nachrichten: Das nächste Sportevent, freie Wohnungen etc...
- Protokolle von Meetings, Zusammenfassungen, Konsens
- Mashups: Kalendar
- Customized Wikis: Für Entwickler: Syntaxhighlighting im Quellcode
- RSS Feeds für Änderungen, damit möglichst viele Teilnehmer bei Änderungen informiert sind.
Trotz alledem benötigt man vor allem eines: Einen Pusher, der die anderen antreibt, dieses System weiter zu nutzen und auszubauen, der auch mal aus reinem Enthusiasmus andere Mitarbeiter so lange nervt, bis diese ihren Wiki Eintrag beendet haben. Und der kosmetische Änderungen macht, damit das Wiki immer den selben schönen Auftritt hat. Ein mögliches monetäres Anreizsystem könnte allerdings eine Vergütung, die auf eine Gruppe verteilt ist, sein, denn dort soll das Wiki ja auch helfen, so könnte jeder die Nutzbarkeit des Wikis (inklusive seines eigenen Teilnehmens beurteilen).
- Wie definiert man die Qualität eines Wikis innerhalb eines Unternehmens? Hier spielen eine Menge unterschiedliche Faktoren eine Rolle, die sich in meinen Augen nicht quantifizieren lassen. Dennoch glaube ich, dass man einen Mitarbeiter in der Firma 10 Minuten lang durch das Firmenwiki surfen lassen kann, und er wird sofort wissen, ob das Wiki sinnvoll ist, oder nicht. Die Definition von Qualität wird für jeden Teilnehmer eines Wikis mit Sicherheit unterschiedlich sein. Der Spezialist wird nicht erwarten, dort substantiv neues zu seinem Gebiet zu finden, wenn er der einzige zu diesem Thema in der Firma ist, allerdings wird er erwarten, nicht im Urlaub angerufen zu werden, wenn er sämtliche Tips und Tricks in das Wiki geschrieben hat. Und genau hier liegt auch ein wichtiger Schritt. Niemand sollte die Qualität des Wikis als etwas wie eine DIN-Norm definieren "die Gesamtheit von Merkmalen einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen", da es sich eben nicht um etwas statisches wie Beton handelt, der ein Gewicht pro Kubikzentimeter auszuhalten hat.
- Kurz zusammengefasst: Was ist der größte Feind von Wikis im Unternehmen (bei falscher Anwendung, koexistieren können beide)?
- Intranet - Nicht editierbar, außer von einem administrativen Team
- Email - Ist ungeeignet als Informationsarchiv für Teams
- Dokumentenmanagemntsystem/Shares - Ist ein Datenfriedhof der vom strukturieren Verständnis der die Daten einstellenden Person abhängig ist. Und somit zu individuell. Gut zum Drucken, schlecht zum Kollaborieren.