Da ich ja heute sowieso auf dem musikalischen Trip bin, mal noch ein paar Sätze zum Status der Musik und der Meinung bzw. Einstellung der Musikindustrie. Die Musikindustrie sagt, es ist ein Problem, wenn die ganze Musik nur noch kopiert wird. Soweit klar. Aber wieso und weshalb? Die Antwort ist einfach: Die Musikindustrie hat Musik zu einem wertlosen Konsumgut gemacht. Die Musikindustrie wird jetzt aufschreien und sagen, dass die Hörer die Musik doch kopieren und an allem schuld sind. Ich forme hier mal eine ganz einfache nicht wissenschaftlich belegte - vulgo: ideal fürs Blog- Theorie.
Dinge, die keinen auf Anhieb monetär bewertbaren Wert haben, müssen für die jeweilige Person subjektiv wertvoll sein, damit eben jene einen Kaufanreiz hat. Subjektiv wertvoll bedeutet in diesem Zusammenhang eine Exklusivität bei der Verwendung des Gutes - bei Musik also das Hören. Wenn man mit der AIDA-Pauke Musik bewirbt, zerstört man diese Exklusivität gleich auf zwei Wegen, aber dazu im nächsten Absatz mehr. Der Einspruch wird nun sein, dass doch jeder die Musik hören kann. Völlig korrekt. Allerdings kann mir auch jeder jeden Wein ins Glas kippen, und ich würde ihn runterkippen ohne zu merken, ob der aus dem Tetrapak kommt oder seit 200 Jahren in windigen Kellern lagert. Genauso ist es bei Musik. Natürlich kann man jetzt weiter argumentieren, dass Wein ja endlich ist, ich aber die Musik digital endlos oft kopieren kann. Gehen wir also davon aus, dass meine Weinvorräte unendlich sind, und ich trotzdem keine zwei Rotweine unterscheiden kann. Und gehen wir davon aus, dass der Preis keine sinnvolle Exklusivität darstellt.
Nun aber zurück dazu, dass die von mir eben geschriebe Exklusivität doch eigentlich auf jegliche Musik zutrifft. Und jetzt kommt ein entscheidender Haken. Ein weiterer Teil der Exklusivität tritt nämlich auch beim Erstellen von Musik und Kunst im Allgemeinen auf. In den meisten Bereichen des modernen Lebens ist es sinnvoll, wenn möglichst viele Leute die Fähigkeiten besitzen, eine bestimmte Tätigkeit auszufüllen - bitte jetzt nicht auf komparativen Kostenvorteilen herumreiten, dass soll hier nicht Thema sein.
Nicht so bei der Kunst im Allgemeinen und der Musik im Besonderen. Diese lebt ausschließlich von ihrer Exklusivität, auch bei der Produktion - ich bestreite nicht, dass das ebenso oft in abstrusen Stilblüten endet. Wenn nun aber Shows wie "Deutschland sucht den Superkasper" dafür sorgen, dass so getan wird, dass Musik etwas ist, dass jeder kann (zumindest kann es jeder versuchen), so vernichtet man in diesem Atemzug gleichzeitig das gepflegte Bild der Exklusivität beim Erstellen der Musik, unabhängig davon, dass es am Ende nur einer von zehntausenden potenziellen Kandidaten wird. Damit wird es zu einer Massenware in der Produktion. Und durch die Möglichkeit der Fernsehshows, vielfach dasselbe zu produzieren (beispielsweise mit einer x-beliebigen Person als Sänger), sinkt gleichzeitig auch die Hemmschwelle, das Gut legal zu erwerben - Gründe dafür könnten die folgenden sein:
- Die "Es können ja andere kaufen" Attitüde: Denn die CDs großer Musiker gehen ja eh weg wie warme Semmeln. Eine mehr oder weniger...
- Die "Morgen ist es eh wieder out" Attitüde: - damit fällt die Exklusivität beim Produzieren weg, weil das impliziert, dass es schon jetzt austauschbar ist oder der Konsument sich sicher ist, dass es das bald sein wird. Ich denke dieses ist das große Problem, welches die Musikindustrie noch überhaupt nicht verstanden hat, beziehungsweise hofft sie, mit der Welle des nächsten Hypes dieses Problem kompensieren zu können.
- Die "Es kann ja jeder, der Kerl ist ja nichts besonderes" Attitüde - das große Castingshow Problem.
- Die Exklusivität beim Konsumieren ist sowieso schon hinfort - wieso sonst ist der Song in den Charts?
Was bedeutet dass nun für die Musikindustrie? Ganz einfach: Stellt Exklusivität wieder her, indem ihr die obigen Probleme richtig abarbeitet. Das geht natürlich nicht mit Mainstreammucke. Es gibt eine Reihe von Bands, deren nächsten Album ich kaufen werde, ohne einen Moment darüber nachzudenken, ob ich nich erst hereinhören sollte. Diese Bands müssen nichtmal PR machen, ich muss nur irgendwo lesen, dass es ein neues Album gibt.
Das ist eine Exklusivität - die man sich nicht mit blöden Sprüchen als Jury erkaufen kann. Das bedeutet gleichzeitig, dass es demnächst eine Menge kleine Labels (wie beispielsweise Roadrunner oder (hoffentlich auch so richtig kleine wie) sonarkollektiv sehr viel leichter haben werden, sich einen festen Käuferstamm zu sichern. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Und wer sich bis hier unten gekämpft hat, der kriegt jetzt auch noch einen Link. Und zwar mit ziemlich coolen Remixes, wenn man auf Chillout/Downtempo mit Hiphop steht (Richtung Waxolutionists), dem ist mit Moodstarrr Productions - "More Abstract than Concrete" sicherlich geholfen. Da sind eine Menge bekannter Lieder drin, vom American Beauty Soundtrack bis hin zu Jedi Mind Tricks. Sehr cooles Zeug.