Nachdem es das Buch von Julia Friedrichs jetzt auch
als Taschenbuch gibt, habe ich mal zugeschlagen. Gut, dass ich so lange gewartet habe. So eine wirkliche faustdicke Überraschung steht nämlich nicht drin. Das Bildung und Schule einzig und allein mit dem Geldbeutel und Stand des Besitzers eben jenes zu tun haben, ist nicht wirklich neu. Der Versuch, mal nachzuschauen, wer sich in Deutschland als Elite definiert, und was das eigentlich ist, ist da schon interessanter. Für einige bedeutet Elite, einen Selektionsprozess zu durchlaufen, und das eigene Kind möglichst früh von normalen Kindern zu trennen, um ihm früh mitzugeben, dass es etwas besonderes ist. Zum einen ändert das natürlich das Verhalten des Kindes, zum anderen schultert es einen dicken Erfolgsdruck auf das Kind. Ob irgend etwas davon sinnvoll ist, muss jeder selber wissen. Dass bei diesem Druck (der zusätzlich natürlich noch durch einen übervollen Stundenplan an Hochschulen wie der EBS und der WHU verstärkt wird) keine Zeit mehr für die eigene Entwicklung eines Charakters bleibt, ist auch mehr als logisch. Mit Anfang 20 als Berater anfangen, ohne mal Luft geholt zu haben und zu überlegen, ob das, was man da macht wirklich das ist, was man machen will und nicht was man mal gesagt bekommen hat - die Chance hat man dann verpasst. Und das an derartigen (Hoch)-Schulen auch nur mit Wasser gekocht wird, ist auch nicht direkt eine Überraschung. Und die gesuchte Definition von "Elite" bleibt so schwammig wie sie in den Medien verwendet wird.
Daher: Als seichte Lektüre für zwischendurch zu empfehlen, aber für mehr nicht zu gebrauchen.