Nachdem das Buch raus war, musste ich es natürlich auch kaufen und zu den Restlichen stellen, nicht ohne es vorher zu lesen natürlich. Diesmal berichtet Günter Wallraff nicht nur ein besonderes Thema sondern mehrere. Er tarnt sich als Schwarzer (jetzt auch als "Schwarz auf weiß" im Kino), als Obdachloser, als Callcenteragent (wurde bereits in der Zeit berichtet), als Mitarbeiter in einer Brotbackfabrik, die Lidl beliefert (wurde ebenfalls schon in der Zeit berichtet). Dies ist der wie immer etwas plakative Teil des Buches, in dem man merkt, dass vieles was er schreibt alleine von den Formulierungen schon sehr suggestiv ist, und wenig Platz für eine eigene Interpretation der Dinge lässt - besonders auffällig fand ich dies im ersten Kapitel, in dem er sich als schwarzer tarnt (witzigerweise ist er in dieser Rolle erkannt worden).
Sehr viel interessanter ist in meinen Augen der zweite Teil des Buches, obwohl er dafür nicht einmal in irgendwelche Rollen schlüpfen musste, sondern einfach von anderen Teilen "der schönen neuen Welt" berichtet, namentlich der Ausbeutung von Auszubildenen in der Edelgastronomie, dem Starbucks Imperium, dem System der Mitarbeiterbespitzelung bei der Bahn sowie einem Anwalt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, unliebsame Betriebsräte aus Unternehmen zu entfernen. Dieser Teil lebt sehr viel mehr von Auflistung von Fakten und ist richtig interessant, gerade das Kapitel mit der Bahn und dem Anwalt sind wirklich harter Tobak.
Ansonsten bleibt zu sagen, dass 14 EUR für ein Taschenbuch zwar Geld sind, aber investigative Recherchen auch eine kostspielige Sache. Ergo: Empfehlung!