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Hochschulmarketing: Recruiting und Employer Branding Theorie VS Praxis

Vortrag ESB Reutlingen

Vor Kurzem hat Nils von emplify einen Vortrag an der ESB Reutlingen zum Thema „Recruiting und Employer Branding in Zeiten des Fachkräftemangels“ gehalten und hatte so die Gelegenheit mit künftigen HR-Verantwortlichen in den Dialog zu treten. Der Vortrag hatte natürlich vorrangig den Zweck, den Studierenden die Praxis näher zu bringen. Aber worum ging es eigentlich?

Nils an der HS Reutlingen

Die aktuelle Situation: Fachkräftemangel

Ob es ihn gibt, oder nicht – der Fachkräftemangel wird viel diskutiert, viel dramatisiert und auch viel kritisiert. Das Problem ist klar, es gibt nicht genügend Arbeitskräfte für die spezifischen beruflichen Anforderungen unserer Wirtschaft und mit weiterhin sinkenden Arbeitslosenquoten verschlimmert sich der Fachkräftemangel weiter. Gerade für die Regionen Bayern und Baden-Württemberg ist die Situation akut und betrifft jegliche Art von Jobs.

Das bedeutet fürs Recruiting, dass einfache Stelleninserate nicht mehr ausreichen, um alle freien Vakanzen zu besetzten. Hinzu kommt leider auch, dass die Ausgaben für die Rekrutierung stetig steigen und somit auch der Berg an Problemen, vor denen ein Personaler steht, wenn er endlich geeignetes Personal finden will.

Ein paar Zahlen aus 2019

Ein paar Zahlen von 2019

Dies sind selbstverständlich Durchschnittszahlen und es gibt durchaus Branchen und Berufe, wie bspw. in der IT oder dem Ingenieurwesen, bei denen der Personalmangel noch viel stärker ausgeprägt ist, als es bei anderen Berufsgruppen der Fall ist. In den letzten vier Jahren sind allerdings viele Berufe dazu gekommen. Unsere Kunden in Baden-Württemberg haben in fast allen Bereichen zu kämpfen: Einzelhandel, Vertrieb, Gesundheitswesen, Techniker, klassische Bürojobs etc.

Man spricht vom sogenannten War for Talent, der definitiv in vollem Gange ist. Für Recruiter bedeutet dies, dass diese sich immer mehr die Techniken und Strategien von Marketingfachleuten und Verkäufern aneignen müssen: Hier kommt das Thema Employer Branding ins Spiel. Zugleich liefert der digitale Fortschritt immer mehr Werkzeuge, mit denen der Erfolg sowie die Geldausgaben optimiert werden können. Die altbewährten Strategien à la „Post and Pray“ und „Wir sind ein guter Arbeitgeber, weil wir gute Produkte herstellen und zufriedene Kunden haben“ funktionieren längst nicht mehr.

Aber was können die Arbeitgeber tun und wie sollen sie damit umgehen?

Das gesamte Thema Rekrutierung ist nicht mehr nur ein Thema, mit dem sich die Personalabteilungen befassen müssen. Innerhalb des Unternehmens müssen auch Abteilungen wie Marketing, Kommunikation, die Führungskräfte und sogar die einzelnen Mitarbeiter (Stichwort: Mitarbeiter werben Mitarbeiter) einbezogen werden. Und hierfür braucht es einen neuen Schlag an Personalern.

Unsere Erfahrung zeigt, dass es wichtig ist, den HR-Nachwuchs frühzeitig an neue Themen wie Programmatic Advertising, Online Kampagnen, Suchalgorithmen und die neuesten Employer Branding-Ansätze heranzuführen. Das theoretische Grundwissen in Sachen Arbeitgebermarkenbildung ist selbstverständlich noch immer grundlegende Voraussetzung für jeden Recruiter, dennoch ist es gerade in unserer heutigen Zeit der schnellen Informationsverarbeitung und der schnelllebigen Trends wichtig, sich auch mit konkreten Maßnahmen und Werkzeugen im Recruiting zu beschäftigen. Hier geht es um Dinge wie z. B. ein Grundwissen in Sachen Webtechnologien, Web-Analyse, SEO-gerechtes Texten usw.

Auf die Frage, welche Maßnahme ergreift ihr als erstes, wenn ihr in einem Unternehmen Personal einstellen sollt, haben die Studierenden geantwortet, dass sie zuallererst intern herausarbeiten würden, was das eigene Unternehmen denn als Arbeitgeber ausmacht (Stichwort Employer Value Proposition). In der Praxis lautet die Antwort auf diese Frage meist: „Ich schalte eine Stellenanzeige.“

Nils beim Vortrag an der ESB Reutlingen

Und natürlich könnte man nach dem Vortrag sagen: „Das ist ja mal wieder typisch: Die Studierenden lernen an der Uni nur theoretisches, aber nichts, was sie in der Praxis anwenden können.“ Zudem zeigt sich auf der einen Seite, dass die Praxis oftmals nur von sehr kurzfristigen Einzelaktionen geprägt ist. Nils hat in seinem Vortrag viel von diesen Einzelaktionen und Maßnahmen gesprochen, die in der Praxis stattfinden, da es in der Praxis nun mal zu oft darum geht ein konkretes Recruitingproblem in Form von: „Ich muss diese Stelle jetzt sofort unbedingt besetzen“ zu lösen. Zeitgleich wird auf der anderen Seite zu wenig im Sinne von strategischem Employer Branding gedacht und gehandelt.

Es kann also abschließend festhalten werden: So viel wie es den Studierenden an Praxiserfahrung und praktischen Anwendungsbeispielen im Recruiting und Employer Branding fehlt, so viel fehlt es auch den rekrutierenden Unternehmen in unserem Land an strategischer Weitsicht sowie an Mut, sich wirklich mal mit langfristigen Employer Branding Maßnahmen, wie z.B. der Findung der eigenen Arbeitgebermarke, groß angelegten neuen Webauftritten, umfangreichen Hochschulmarketingkampagnen, umfangreichen Aktionen auf YouTube usw. zu beschäftigen.

Apropos Hochschulmarketing:

Bei unserem Besuch bei der ESB Reutlingen ist uns aufgefallen, dass die Pinnwände auf den Gängen gepflastert sind mit Praktika-Angeboten von Firmen wie Bosch, Kärcher und PwC. Es zeigen sich hier also nur die ganz großen Player, während der klassische Mittelstand, der eigentlich die viel größeren Recruiting-Probleme hat, hier gar nicht auftaucht. Demzufolge waren es auch gut 80% der Studierenden, die auf die Frage, ob sie nach dem Studium bei einem großen Konzern arbeiten möchten die Hand gehoben haben. Dabei sind wir uns sicher, dass auf diese Frage hin weniger Hände hochgegangen wären, wenn an den Pinnwänden mehr Praktikumsangebote der sogenannten Hidden Champions sowie kleineren regionalen Arbeitgebern hängen würden. Gerade in der jetzigen Zeit des Fachkräftemangels ist es für Arbeitgeber umso wichtiger auch an den Hochschulen dauerhaft präsent zu sein!

Der Vortrag hat uns auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und auch gezeigt, wie wichtig es ist, sich auch mit dem HR-Nachwuchs zu beschäftigen und das Thema HR und Employer Branding transparenter und nahbarer zu machen.

Deswegen werden wir auch weiterhin Vorträge und Workshops zum Thema Recruiting sowie Employer Branding anbieten, um das Recruiting von morgen ins heute zu holen!

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